Von Agde nach Gibraltar

Von Agde nach Gibraltar


links „Lollu“, „Pipoca“ in der Mitte und rechts der Trimaran „Aquilla“
So – die Masten stehen! Endlich haben wir wieder ein Schiff, das nach Schiff aussieht, auf Deck begehbar ist und nach rechtem Wasser lechzt. Wir sind ja super ausgerüstet, um den Atlantik zu befahren (war das nicht mal unser Traum, bevor wir zu schlichten Binnenschippern wurden?), haben aber nicht eine einzige Karte vom Mittelmeer dabei. Zu unserem großen Glück hat die Atlantikkarte des Plotter auch die spanische Küste beinhaltet -wie sagt man so Neudeutsch: „non added value“ – hä! Mit den französischen und spanischen Hafenhandbüchern sollte das reichen, dachten wir! Erst spät, schon an der Costa Brava vermissten wir das teure Kartenmaterial schmerzlich – in Hafenbüchern sind halt Häfen und deren Umgebung angegeben, aber keine schönen Buchten, die sich zum Verweilen unter Anker lohnen. Schlecht für unsere Geldbörse ist es obendrein.

Phil meinte, wenn ihr zu den Kanaren wollt, dann müsst ihr euch beeilen und möglichst im November noch dort ankommen. Puuh, ich habe das Gefühl, dass wir uns ständig beeilen mussten. Die Reisegeschwindigkeit eines Segelbootes beträgt durchschnittlich nur 4 Knoten, da kann man gemütlich mit dem Fahrrad nebenher fahren. Mir fehlen die Landausflüge in schöner Natur, wir würden gerne auch mal irgendwo sein dürfen und verschnaufen. Also beschlossen wir, nicht weiterhin zu hetzen.

Le Grau D'Agde -Gruissan

Endlich, am 15. Oktober 2017 haben wir wieder Wasser unterm Kiel und Wind in den Segeln. Und es hat guten Wind hier. Unser Ziel ist Port Leucat, also etwa 40 Meilen. Da die Crew der Lullo keine Karten von Südfrankreich hat, fahren sie in Sichtweite neben uns her. Der Wind geht auf die 5 Bft, die Welle auf 2 m, wir nur unter Vorsegel, damit wir für Lullo nicht zu schnell werden. Es ist hartes, ruppiges Segeln und nach 3 Stunden hat die Lullo-Crew genug und bittet um Abkürzung. OK, dann abbiegen nach Gruissan.

Ich muss gestehen, ich hatte mir das Mittelmeer anders vorgestellt, so wie ich es beispielsweise aus Kroatien kenne. Wie so häufig hatte Phil uns schon vorgewarnt, die mediterrane Mittelmeerwelle ist  bei stärkerem Wind kurz und steil und kommt manchmal aus drei Richtungen, wir wurden wieder wie in einer Waschmaschine durchgeschüttelt. Nach kurzer Zeit hatte ich mich daran gewöhnt und habe das Schaukeln genossen und mich am klaren Wasser erfreut. Die Einfahrt in den Hafen war spannend, Wind und Welle von der Seite, die Einfahrt war nur eine Schiffslänge breit,  jede dritte Welle versetzt dich um drei Meter. Hartmut konnte nur mit Volldampf einfahren, wir waren froh, dass Lullo es auch geschafft hatte.


Gruissan: aber das Bild hat etwas typisches für diesen Meeresabschnitt: riesige Strände, breite Boulevards, mächtige Bettenburgen – und das jetzt nahezu unbewohnt

Gruissan hat einen mächtigen Hafen – obwohl wir noch nie von dieser Stadt gehört hatten, scheint sie für Urlauber bedeutungsvoll zu sein. Fast 1000 Boote aller Typen, von 5 bis 50 Meter, jede Menge Werften und Zulieferbetriebe, hier ist alles vorhanden, was urlaubstechnisch notwendig sein könnte. Dafür findet sich nicht 1 Fischerboot! Wir werden hier einige Tage verbringen, da Starkwind angesagt ist, den wir vielleicht gut hier ‚abwettern‘ könnten. Gesagt, getan!


Manch einer fängt klein an: hier ein voll ausgerüsteter Opti der durch den Hafen düste

Flache Küste, ewiger Strand. Dieser Teil Frankreichs ist landschaftlich wohl der mit Abstand langweiligste! Zumindest für die Nicht-nur-Sonnenanbeter. Deshalb schmücken sich die, alle in den letzten 40 Jahren entstandenen, Anrainerorte mit allem, was die Unterhaltungsindustrie anzubieten hat: Casinos, Spaßbäder, Funparks, Kirmes, Restaurants jeder geschmacklichen Couleur, Kaffees und allen Geschäftstypen der lebensnotwendigen Ausrüstung für den Urlaubsindividuallisten. Wir waren wieder in Ostende und co. Die große Strandpromenade, kilometerlang bewachsen mit Palmen vor 8-stöckigen Prachtbauten - Ferienresorts mit Meerblick. Eine Front mit seltenen Lücken, die einen Blick in den Bereich der 2ten und 3ten Klasse ermöglichen – die Häuser dahinter. Die Retorte dieser Architektur hat für viele Orte ausgereicht, eigentlich sehen hier alle so aus.

Gruissan aber hat auch seine andere Seite – die historische Altstadt – leicht zu finden, wenn man hartnäckig im Office de Tourisme nachhakt. 2 km ins Landesinnere, da kommt ein Hügel , und darauf ist die Altstadt – ein zerfallenes Schloss, eine zerfallende Kirche (2 Stunden/Tag offen), und viele entfallene Häuser, geschlossen, vernagelt, unbelebt. Was soll man auch hier? Der farbenfrohe Urlaubsbereich ist vorne am Meer. Es macht traurig, solch heruntergekommenen Teile zu sehen, noch ohne großen  historischen Wert. Tot halt. Leben bitte vorne!





Blick auf die Altstadt

Und das Leben ist bunt. Es werden neue Städtchen aus immer gleichen Ferienhäuschen auf neu aus dem Meer erobertem Land gebaut – direkt noch ein Hafen dazu – es gibt doch so viel Bedarf!
Wir hätten Gruissan gerne mal in der Saison erlebt – so für ein paar Stunden, oder so. Wenn hier richtig Leben brodelte. Jetzt in der Nachsaison ist nur jede 5. Wohneinheit (vorne!) belegt. Es ist Platz! Und viele Geschäfte haben längst über den Winter geschlossen. Mit 14€/Nacht war der Liegeplatz allerdings der günstigste auf unserer bisherigen Reise.

Jeden Abend hatten wir den Blick auf die schöne bunte Brücke



Der Höhepunkt dieses Hafenstops stand uns aber noch bevor: an der Capitainerie  gab es einen Verleih von E-Fahrzeugen. Und das lustigste Gefährt war ein Renault „Twizy“, ein kugelförmiger Kleinstwagen. Ein moderner Messerschmitt-Kabinenroller, freistehende Räder, 2 Sitze hintereinander, Gaudí von vorn bis hinten. Der sollte es sein, um eine Landpartie nach Narbonne zu unternehmen. Mit 70 km/h Höchstgeschwindigkeit bleibt man gerne auf niederen Landstraßen – und bekommt viel mehr mit. Klasse!




Phil und Gina übernahmen Twizy nach Batterieaufladung am Mittag

Störche auf dem Weg nach Narbonne

Und Flamingos




Letzter Blick auf den Kanal
Gruissan – Canet en Rousillon

Es verfolgt uns – beständig – wie strafend (wofür eigentlich?). Der Wind kommt von vorn, oder gar nicht. Die erste Etappe von Adge nach Gruissan , war eine bemerkenswerte Ausnahme: wir segelten mit achterlichem Wind, nur mit dem Vorsegel, durch das aufgewühlte Mittelmeer. Da brauchten wir erst mal eine Pause – dieses ständige Getriebensein zehrte an den Nerven. Kaum ging es uns, etwas erholt, wider besser, kam Sturm auf, und wir lagen für weitere Tage fest. Von da an ging es wie gewohnt weiter – Wind weg, Motor an – zur nächsten Etappe tuckern.

Die Weiterfahrt löst unsere Truppe, mit der wir nun 6 Wochen zusammen sind, zumindest vorläufig auf. Gina will für eine Woche ihre Familie besuchen, Phil findet einen Job und bleibt vorläufig hier und die Aquila Crew macht einen Langschlag nach Barcelona. So heißt es erst einmal Abschied von einer tollen Truppe zu nehmen. Tut ein bisschen weh! Phil meinte, unter Seglern heißt es: „Never say good bye! May be we see us  in Portugal.“

Wieder eine Etappe gegen den Wind, heute schwach aus NW bis W. Da alle Wettervorhersagen übereinstimmend erneut Starkwindtage voraussagen, hatten wir beschlossen, auch diese Zeit, diesmal hier im Hafenstädtchen von Perpignan, in Canet abzuwettern. Wir kommen früh in dem Hafen an und können beobachten, wie sich hinter uns das Wetter erst völlig aufklärt, aber dann tauchen die zerrissenen Walzen der Böenfelder am Horizont auf. 



Wir sind gut  aufgehoben, hier. Und die Zeit nutzten wir, um mit dem Bus die nahe Stadt Perpignan zu besuchen.







Die Senke von Perpignan ist bekannt für die Nordwestwinde – nee Stürme, die vom Atlantik herüber wehen. Wir müssen die Zeit nutzen, besonders jetzt im Spätherbst, und bei brauchbaren Winden Strecke nach Südwesten, an die spanische Küste, zu machen. Also weiter…

Canet en Roussillon – Port Vendres


Port Vendres, versteckt in einer sich schlängelnden Bucht, von der Seeseite kaum einsehbar, taucht unerwartet ein echter Hafen auf. Schon in Römerzeiten als Naturhafen genutzt. Wir staunen, sind diese gewachsenen Orte gar nicht mehr gewohnt, nach derart überladenen – und deshalb zur Zeit fast verwaisten, da saisonfernen – Touri-orten. Hier lebt man, auch spät abends, findet sich zum Klön zusammen. Einfach mal wieder gut – so ohne Strand und Andenkenläden. 

Eine Superyacht im Hafen von Port Vendres (3-Master hinten rechts) – passt!
Die Stadt – gewachsen und ungemein stimmungsvoll – wenn man drinnen ist!
Ein klassisches Boot mit Lateinersegel – so fuhr man über Jahrhunderte hier im Meer.
„Jeder Morgen ist eine Welturaufführung“ (C.M.Schulz)

Dafür werden wir von anderen Unbillen geplagt – ein 150 m Container Frachter wird auf abenteuerliche Art noch am Abend in diese enge Bucht gedrückt, legt an einem Ladeport an und beginnt mit eigenen Kränen die Ladung zu löschen – die ganze Nacht hindurch, mit lauten Generatoren getrieben. Na ja, mit Ohrenstöpseln ist der Sternenhimmel nicht ganz so romantisch zu genießen: ‚hä, was sagtest du?‘.

Rein, wenden, anlegen! 5m vorn und hinten. Mit nur 1 kleinen Schlepper! Puh!

Am nächsten Morgen liegt eine dieser Superyachten schräg neben uns – an einem Industrieterminal! Ha, selbst Schuld. 80m lang, 3 Masten, die sich ebenso 60m in den Himmel recken,  Millionen teuer – was, zum Teufel, macht man mit solch einem Boot? Ja klar, der Größte sein – zumindest so kurz wie ein Anderer braucht, um noch sensationeller, größer zu bauen. Aber die Dinger kommen doch selbst in Saint Tropez nicht mehr in den Hafen – können doch nirgends von Neid und Neugierde bestaunt werden.  Fragen, die ich mir nicht beantworten kann – bin zu klein(-geistig)!


Port Vendres – Port Estartit

Krise.
Ich weiß nicht, ob das nur mir passiert, oder ob das anderen ebenso kommen kann.
Wir sind jetzt so viele Wochen unterwegs, Wochen, die geprägt waren von den sich mehr und mehr angleichenden Tagesabläufen: morgens sauber, satt und klarmachen, losfahren, ankommen, schauen, rumgehen und Eindrücke sammeln, einkaufen, Schiff versorgen, Essen kochen, mit anderen Seglern klönen, müde werden und Schlafen. Reisen halt. Wir hatten uns vorgenommen, ohne Antrieb und Hast auszukommen – jeden Tag als eigene Entscheidung zu begreifen – den allzu bekannten Zwang und Trieb des normalen Lebens zu entschleunigen. Klang gut – klingt immer noch gut! Aber diese Form des Reisens wirkt wie das Gegenteil unseres Vorhabens. Es bekommt alles eine Form der Routine – die Etappen werden zum Weg zu einem Ziel, das es wohl zu erreichen gilt, oder….? Hieß es nicht: der Weg ist das Ziel? Kluger Spruch, weiß Gott! Aber was bedeutet dies für uns? Wie sehen, wie erleben wir die Tage, Orte, Wege, Wetter, Unbillen…? Uns fehlt die Abgeschlossenheit eines Ereignisses wie einem Tag. Wir gleiten durch unsere Reisewelt und finden nur Stücke, Momentaufnahmen – sind nur kurz mit uns da, nicht angekommen. Denn wo angekommen – das ist doch immer an einem Zielpunkt? Und der ist doch nicht hier. Und plötzlich taucht die Frage auf: wo ist der eigentlich – und er wird vermisst! Nix von wegen‚ der Weg…! Wo waren wir gestern? Das war doch der Ort mit dem Berg da hinten, oder der mit dem Markt, oder…? Wir führen Logbuch und Tagebuch, machen manchmal Einträge für einen Blog – alle Hilfen, das Gestern noch an einen Faden anbinden zu können!
Ich bin in mir zusammengesackt, wie ausgebrannt. Brauchte eine Antwort auf die Fragen des immer häufiger auftauchenden: wo bin ich? wo will ich hin? wie bekomme ich meine Zeit mal anzukommen und auszuruhen? Mir gelingt es nicht mehr, dieses Leben im Hier und Jetzt.
Wir beschließen ein neues Ziel – Hilfsmittel. Wir möchten auf die Kanaren. Und wenn wir mit unserer Windfahnensteuerung zurechtkommen – dann schauen wir weiter. Der Atlantik ist offen! Wir lassen ihn auch so!

Spanien

Costa Brava – die wilde Küste, die mit der leichten Seite, manchmal! Hoppla, wir kommen – schnell den Wind aus. Wird gemacht!   Wir tuckern an dieser tollen Küste entlang, an felsigen Riffen, an Brüchen, die die Jahrmillionen offengelegt zeigen, Höhlen, von haushohen Ausmaßen, aufgebrochen wie ein Frühstücksei, fahren durch das Eldorado der Taucher und Höhlengeher, mit kleinen und kleinsten Buchten, in denen man sich mit Leinen an den Felsen fest bindet – wenn man sich mit Boot hinein traut (haben welche gesehen, die das machten = Neid!). Wir dran vorbei – vorbei an dem Land meiner traumhaften Erinnerungen. Hab' früher mal für Wochen hier gelebt, nur aus dem Meer mich ernährt, Fische geschossen und gegen Brot getauscht und so halt…in den Felsen gehaust, manchmal Campingplatz zum Duschen, viel in den kleinen Orten die freundlichen Menschen erlebt, deren Spanisch völlig unverständlich war, in Cadaques sogar mal 5 Worte mit Salvatore Dali gewechselt und immer dieses einzigartige Wasser mit seinen eigenen Farben  genossen. Ja…



Ich war gespannt auf Spanien, ich war nur einmal vor 30  Jahren in Benidorm. In Frankreich war es gut, dass ich französisch spreche, es gab vieles zu regeln und zu koordinieren und es wurde nur selten englisch kommuniziert. Auf der Fahrt packte ich unseren spanischen Sprachführer aus und wir lernten fleißig Redewendungen. Hartmuts Bestellung kam ihm dann auch flüssig über die Lippen: „Un café doble por favour.“  Nach einigen Tagen in Spanien stellt sich aber heraus, dass die meisten Spanier englisch sprechen und man sich gut verständigen kann. Am ersten Nachmittag in l'Estartit waren wir in der Fußgängerzone völlig irritiert, an einem Mittwochnachmittag um 15.30 Uhr hatten alle Läden geschlossen. Hatten die nach Saisonende alles dicht gemacht? Doch der zweite Blick in unseren Sprachführer brachte Aufklärung: Die Siesta in Spanien dauert von 14.00-16.00 Uhr, viele Geschäfte machen auch erst um 17.00  Uhr wieder auf. Die Spanier gehen in dieser Zeit gerne essen, in den Lokalen wird es nicht gerne gesehen, wenn man auf deutsche Art nur einen Kaffee trinken möchte. Ich bestellte beim ersten Mal einen lecker aussehenden Kuchen, der war aber salzig und passte nicht zum Kaffee.

Wobei…. man muss natürlich spezifizieren, wir sind in Katalonien. Schon Phil machte uns zum Glück darauf aufmerksam, dass wir als Gastlandflagge auf keinen Fall nur die spanische Flagge, sondern auch die katalanische setzen müssen. Da sie nicht kleiner als die spanische sein durfte, mussten wir uns zwei neue Flaggen holen, die wir dann gleich groß gewählt haben. Wir waren genau in der Zeit der politischen Unruhen in Katalonien, sind aber zum Glück nicht mit gewaltsamen Auseinandersetzungen in Berührung bekommen. Wir haben immer wieder das Gespräch mit Einheimischen gesucht, so es denn in Englisch möglich war, und haben unterschiedliche Standpunkte erklärt bekommen, teilweise mit Tränen in den Augen.

Ab der spanischen Grenze lachten mich bei der Einfahrt in die Häfen die Berge an, das ließ mein Kraxelherz schneller schlagen. Vom Wasser aus versuche ich am Berg schon einen Weg zu erkennen, den ich dann später nehmen kann. Doch meist entpuppen sich diese Wege als geteerte oder geschotterte Straßen und wer die ‚Wander-Ute'  kennt, weiß, dass sie diese Wege gar nicht mag. Also schlage ich mich oft  in die Büsche, suche kleine Pfade und Steige. In Port Vendres landete ich dabei im militärischen Sperrgebiet, ich winkte entschuldigend in die Kamera und eilte schnell die Straße herunter. In Estartit wanderte ich durch die Weinberge und kam irgendwann nicht mehr aus dem Gebiet heraus und musste in einem Garten eines Hauses schnell über den Zaun klettern. Wenn ich einen ganzen Tag unterwegs bin, ist es für mich die größte Herausforderung, mich nicht zu verlaufen. Ich habe einen schlechten Orientierungssinn, Wanderkarten gibt es in den Touristenbüros meist nicht, also mache ich mir oft eine Zeichnung. Zum Glück ist in einer Richtung ja immer das Meer, dass ich dann zu sehen bekomme, wenn ich irgendwo oben bin. Und wenn ich mir selbst einen Weg suche, helfen die altbewährten Steinmännchen.




Meine Steinmännchen


Unsere nächsten Stationen waren:

Port Estartit – Sang Feliu de Guixols
Sang Feliu – Arenys de Mar





Arenys de Mar – Marina Badalona/Barcelona


Barcelona

Der Name genügt , und ich habe den Song von Queen im Kopf – dieses geniale Stück mit der Opernsängerin (?). Ich kenne nichts, das diese Stadt besser beschreiben könnte, als diese Musik. Eine Mischung aus lebendem Denkmal, permanenter Kunst…….


 Olympiapark



Hotel


Arque de triomphe




 Sagrada Familia








Park Güell




Nur – hier kostet alles! Wir waren nicht bereit, die teuren Eintrittspreise überall zu bezahlen und haben uns dafür einen schönen Bildband von Barcelona gekauft.





Kolumbusdenkmal



Wenn selbst der Kellner kein Englisch mehr spricht, hast du es geschafft: du hast die üblichen Touri-wege verlassen und bist im Echten ein bisschen angekommen. 

OK, spanische Touries finden auch die letzten Winkel der Altstadt, aber die Eilgruppen der Japaner und co sind auf anderen Wegen unterwegs. 






Phantasievolle Kostüme




Wir sind einfach an einem Platz gelandet, klein, bunt, 2 Cafés, Kleinstläden, ein Microspielplatz und Atmosphäre, wohin man riecht. Wir fanden Platz, zwei Mal zum Kaffeerasten schön. Ein Ort mit dicht gedrängten Eindrücken, Bildern in einer Vielfalt, Menschen in allen Altern und Lebenslagen. Dieser kleine Platz, stellvertretend für sicher hunderte anderer, hat mich  beeindruckt. Ich habe ca. 100 Fotos gemacht und dennoch den Eindruck, nur einen oberflächlichen Blick erfasst zu haben. Diese Intensität, Farbigkeit und Stimmung erlebe ich sehr selten in Städten – Barcelona ist dafür berühmt. Eine tolle Stadt. Wir lernten in kurzer Zeit einige Menschen kennen, aus Holland, eine Schwedin, einige Deutsche, die es hier her verschlagen hat und die hier sind und bleiben, zumindest jetzt erst einmal. Ich kann sie ein bisschen verstehen.





Wir entschließen uns, jetzt in größeren Schritten nach Süden weiter zu kommen. Die Küste bis Valencia scheint nicht die spannende Seite Spaniens zu sein. Die Aquila Crew hat sich erneut verabschiedet – sie werden über die Balearen weiter nach Südspanien fahren. Vielleicht sehen wir uns hinter Valencia wieder.


Doch wir sind aus dem stürmischen Bereich Nordspaniens noch nicht ganz heraus. Es sieht spannend aus, wenn man in den Wind Simulationen von ‚Windy' und ‚passageweather‘ sieht, wie sich die Stürme aus der Bordeaux Ecke, oder aus dem Rhonetal abwechseln, sich im Mittelmeer drehen und südlich von Barcelona unter den Pyrenäen zurück brausen. Da müssen wir durch – wir wollen in die milderen Küstenzonen.


Auf unserer Weiterfahrt freuten wir uns über den guten Wind und setzten die Segel. Endlich mal wieder segeln!! Doch die Freude weilte nur kurz, ich schaute auf den Amperemeter, der plötzlich einen Discharge von 10 Ampere anzeigte, man konnte zusehen wie die Batterien sich entluden. So ein Mist! Segel wieder runter, Motor an, Batterien laden, im nächsten Hafen Port Ginesta einen Elektriker bestellen, der noch am Freitag Abend kam und versprach, am Samstagmorgen zu kommen. Wir warteten den Samstag, wurden auf Montag vertröstet, den wir auch vergeblich wartend verbrachten. Das war ärgerlich, wir lagen vier Tage im bisher teuersten Hafen, hätten Segelwetter gehabt und mussten unverrichteter Dinge weiterfahren.


Segur de Calafell
Warum diesen Ort erwähnen? Er reiht sich ein in die vielen Standorte an diesen Strandküsten, die nur für Urlaube geplant und errichtet sind. Und es ist jetzt keine Ferienzeit mehr – fast nirgendwo. Und so sieht es hier entsprechend aus. Freundliche Aufnahme eines 3 köpfigen Jungdamenteams mit einer verfügbaren Crew von Marineros, die rund um die Uhr den Hafenbezirk bewachen und helfen, wenn ein Boot ankommt. Wir sind in absehbarer Zeit die Einzigen. Auch hier liegen 1000 Boote, teils schon im Winterschlaf. Kaum ein Mensch zu treffen – 2 Toiletten und 3 Duschen in unserem Hafengebiet – dennoch immer frei – kurz: hier ist ‚tote Hose'!  Aber erstaunlich, wo die Leute herkommen,, die die 3 von 20 Restaurants füllen, die selten was mit den Booten zu tun haben und sich dennoch in den Hafen begeben. Ein Ort ist ca 3-4 km entfernt, nett, aber ohne Höhepunkte – Namen schon vergessen.  Jetzt merken wir es mit aller Deutlichkeit: die Saison ist um. Das Land hat mit Winterschlaf begonnen. Puh… da will man schnell wieder weg! Ab nach Tarragona.

Es ist keine große Distanz zu überwinden. Um die 30 Sm sind keine Herausforderung, sollte man meinen. Aber wir kommen aus der Starkwind-Tröte heraus und erleben minütlich wechselnde Winde – oder gar keinen! Der Motor muss 10 mal gestartet werden – kaum nehmen wir Fahrt auf, kräuselt feinster Wind die Wellen. Also wieder raus mit dem Tuch – nächster Versuch – wir sind doch Segler!


Die Welle ist eine eigene Story. So etwas hab ich selbst im Mittelmeer noch nicht erlebt! Man stelle sich vor:  die Starkwindzone (Mistral von Nord, Tramontana von Nordwest) sendet eine lange, bis zu 2m hohe Welle aus Nord, der Wind kommt mit kurzer, steiler 1/2m Welle von Südwesten. Kräuselwellen überlagern dies Desaster mit Buckeln aus Südost. Was damit entsteht nennen wir Waschmaschine! Und so fühlt man sich auch darin. Und wenn die Winde alle paar Minuten wechseln, oder einschlafen, ist man diesem Wellengetose nur einfach ausgeliefert. Man freut sich doch – ehrlich gesagt – wenn man da raus kommt. Ute überrascht mich dabei doch sehr – sie, die oft mit Seekrankheit kämpfen muss, verdaut diese Mühle erstaunlich gelassen und gut!


Tarragona – wir haben uns jetzt angewöhnt, uns vorher, wenn möglich schon am Tag davor,  per Telefon anzumelden, nett nach einem Liegeplatz für die Nacht zu fragen und  uns dann zusätzlich bei der Einfahrt in den Hafen per Bordfunk, Kanal 9,kurz anzumelden. Ist nicht viel Aufwand, wird aber erstaunlich gerne gesehen und es stehen beim Anlegen sofort hilfsbereite Marineros am Steg.. Dies Verhalten steht hier hoch im Kurs (Ordnung muss sein – wo haben die Spanier !!! das eigentlich her?). In der Capitaneria werden wir von einer jungen Frau empfangen, die ankündigte, nur ein kleines bisschen Englisch zu sprechen – die uns dann aber mit einem Redeschwall überschüttete, der von allen Erklärungen über die Hafengebräuche, Absonderlichkeiten, Infos zu Stadt und Umfeld, Beschreibung der Supermärkte und aller möglichen Einkaufsstellen und weiterem, alles in perfektem Oxfordenglisch enthielt. Nur, unterbrechen durfte man sie nicht – war alles sehr gut einstudiert. Wir waren brav und dankbar – das gefiel ihr!

Tarragona thront auf einem Hügel – schon bei der Einfahrt in den Hafen imponierend. Eine doch recht große Stadt.

Uhr im Hafen

Es werden wieder stürmische Winde vorhergesagt, wir werden wohl einige Tage hier abwettern. Ein erster Gang in den Nachbarhafen lässt uns staunen. Dort liegen große, teilweise klassische Segelyachten und riesige 60-120 m lange Privatjachten.

Whow! Irre! Diese „Innenhafen“, durch eine bewegliche Brücke von der Außenwelt abgeschirmt, ist nur für Yachten „AB“ 20m zugelassen. Man staunt nicht schlecht, was sich die Welt so leistet. Da liegt die „klassische“ deutsche „GERMANIA IV“ unter maltesischer Flagge neben utopischen Segelyachten, deren Cockpit breiter ist, als unser Boot lang, neben Schiffen mit Masten wie Schornsteine, natürlich schwarz (man soll ja sehen, dass die 50m Mast aus Kohlefaser sind) – alles riesig und sauteuer und ungenutzt. 






Aber die absolute Krönung sind zwei Motoryachten – Flagge Oman, Katar, die tatsächlich 130 m lang sind. Ich hab schon viele Schiffe gesehen, aber das stellt die Krönung dar – und das soll es ja wohl auch. Ich konnte mir den fiesen Witz nicht verkneifen und sagte zu Ute: stell dir vor, die kommen mit so `´nem Brocken nach Saint Tropez. Die dürfen ja nicht mal in den teuren Innenhafen der Luxusyachten, weil sie da gar nicht reinpassen!!! Die müssen draussen warten – quasi auf Reede. Da kommt doch gar kein Stauner und Neider dran! Ha, ha! Irgendwie gefällt mir der Gedanke. 







All den Luxusbooten gemein ist, dass beständig eine Crew an Bord sein muss, die das Schiff in Schuss hält (tolle Arbeitsbeschaffungsmaßnahme). Und Ute brachte es auf den Punkt Auszug Logbuch: Spruch des Tages: die Klos werden von Frauen geputzt – die Schiffe von Männern!

Die Stadt liegt auf einem Berg und sieht vom Hafen schon verlockend aus. Aber es heißt nun wieder, strampeln, die Altstadt mit der wunderschönen Kathedrale befindet sich ganz oben. 






Römisches Amphitheater




Auf dem Weg dorthin fanden wir ein Keramikgeschäft mit bunten und phantasievollen Teekannen und Tassen. Da war ein Teeservice schöner wie das andere. Die Besitzerin ermunterte uns, Fotos zu machen und uns später die Sachen zuschicken zu lassen. Auf dem Schiff haben wir leider keinen Platz für solch schöne Dinge! 



Die Besichtigung der Kathedrale sollte 5 Euro Eintritt kosten. Wir waren noch unsicher ob wir wirklich hineingehen sollen, wir hatten in Frankreich schon so viele Kirchen gesehen. Doch dann entschieden wir uns doch, schlossen unsere Fahrräder vorschriftsmäßig ab und wurden mit einer beeindruckenden Kirche belohnt. Ein Museum bewahrte prachtvolle Bilder und Skulpturen aus der Römerzeit. 





Wir verbrachten 1 ½ Stunden in der Kirche, Hartmut konnte kaum noch laufen und wir freuten uns auf die Abfahrt mit unseren Rädern.


Doch wir trauten unseren Augen nicht: Die Fahrräder waren alle beide weg! Das darf doch nicht wahr sein, diese angerosteten, klappbaren Fahrräder! Für uns so wichtig! Wir fragten im Café, aber niemand hatte etwas gesehen, zwei Polizisten auf Motorrädern waren freundlich, konnten uns aber nicht weiterhelfen. Frustriert humpelten wir den Berg hinunter, zum Touristenbüro: „Wo gibt es einen Fahrradverleih? (Damit wir kein Taxi zum Hafen nehmen müssen) Wo die nächste Polizeistation?“ Dem Mitarbeiter im  Office taten wir so leid, dass er uns zum Trost einen Bildband von Katalonien schenkte.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus zu Decathlon und haben uns neue Fahrräder mit teuren Schlössern gekauft. Sie sind schön, glänzen ganz neu, jetzt muss man noch mehr Angst haben, dass sie einem geklaut werden. Für den Abend wollten wir uns Karten für einen Auftritt einer Queen-Cover Band kaufen, doch es gab nur noch eine Karte. Auch kurz vor der Vorstellung hatte niemand eine Karte zu viel. So fuhren wir in den Nachbarort, dort sollte laut Info des Touristen Office um 21.00 Uhr ein Feuerwerk sein. Wir kurvten rum, fragten die Leute, keiner wusste etwas, es gab auch kein Feuerwerk. Die Stimmung war auf dem Nullpunkt.

„Seid nicht traurig“, meinte eine Freundin, als ich ihr von den gestohlenen Fahrrädern erzählte, „Schlimmer geht immer!“ „ Hi hi“, dachte ich, „den Spruch muss ich mir merken.“ Ich konnte ihn schon am nächsten Tag anwenden, als Jasmin uns ganz traurig erzählte, dass ihr in Myanmar ein Zimmergenosse ihre vor der Reise neu gekaufte Kamera geklaut hatte. Als sie es bemerkte hatten die beiden jungen Männer schon ausgecheckt. Welch ein blödes Gefühl, wenn man von einem anderen Backpacker beklaut wird!

In Tarragona zogen wir immer wieder den Stecker der Stromversorgung, um den Ladezustand  unserer Batterien zu überprüfen. Der Fehler trat wieder auf, wir fragten im Hafen nach einem Elektriker und dieses Mal kam er sofort.

Nach einigen Messungen, Versuchen und kollegialen Debatten stand als Ergebnis fest: die zweite Service-Batterie muss ausgetauscht werden. Und, fast unglaublich, das System funktioniert wieder. Auch hier brauche ich wieder etwas Zeit, Vertrauen in die Elektrik zu entwickeln.

In einer 24 Stundenfahrt sind wir von Tarragona nach Valencia gefahren. Es ist Mitte November 14 Stunden lang dunkel, von 18.00 Uhr bis 8.00 Uhr, und bei 7 Grad Nachttemperatur eine kalte Angelegenheit. Wir haben unsere Wachen in Dreistundenrhythmen eingeteilt. In den drei Stunden ist man derart ausgekühlt, dass man sich nur noch auf die warme Koje freut. 








Der Sonnenaufgang ist ein Erlebnis und die wärmende  Sonne weckt wieder alle Lebensgeister, herrlich!



Valencia hat uns sehr gut gefallen, ein Ort der städtebaulichen Gegensätze. Eine Museumsmeile mit riesigen futuristischen Gebäuden, ein wunderschön angelegter Grüngürtel in einem ehemaligen Flussbett und prunkvolle Gebäude und Kirchen aus dem 19. Jahrhundert.


Stadt der Künste und der Wissenschaften





Wunderschön angelegte Anlage im Flussbett der Turia




Stierkampfarena und Bahnhof





Die Fassaden bleiben erhalten


Kathedrale

Wir hatten Glück, direkt am Wochenende startete ein Marathon mit 26.000 Läufern, ein riesengroßes Event!  Schon am Vortag gab es Musik und Tanz.




Wir waren schon um 8.00 Uhr am Startpunkt mit lauter Musik und Ansage. Die kenianischen Läufer standen in der ersten Reihe und machten sich warm, wir hatten erst 8 Grad.



Es wurde in drei Leistungsgruppen gestartet, es dauerte eine halbe Stunde bis alle 26000 Läufer an uns vorbei gelaufen waren. Welch ein Organisationsaufwand, der reibungslos funktionierte! 




Wir fuhren  mit den Fahrrädern zum  22 km Punkt und nach einer Stunde zogen schon die Kenianer in einem irren Tempo an uns vorbei.


Den weiteren Verlauf konnten  wir auf der Tribüne auf dem Bildschirm verfolgen und den Einlauf auf blau ausgelegtem Teppich in beeindruckender Kulisse bejubeln. Das war ein tolles Erlebnis! 

Wir haben einen guten Platz auf der Haupttribüne ergattert
Der Sieger läuft ein – Sammy Kirop Kitwara (KEN) brauchte nur 2h 5,15 Min!!! Puh!
Die Handicapt fahren gemeinsam durchs Ziel. Tolle Geste!

Alles wartet auf die schnellste Frau: Aberu Mekuria (ETH) in 2h26.17Min
Nach den sechs gemeinsam verbrachten Wochen fehlten uns unsere englischen Freunde. Umso mehr freuten wir uns, Marek und Silvia noch einmal zu treffen. Sie kamen von Ibiza und hatten uns auch den günstigen Hafen in Valencia empfohlen. Marek war so findig und hat im Netz Betriebsanleitungen  gefunden, die uns helfen sollen unser Problem mit der Elektronik zu lösen. Wir verbrachten noch zwei schöne Abende miteinander und stellten Marek das typisch deutsche Brettspiel ‚ Mensch ärgere dich nicht' vor. Die Beiden fliegen  nach London, Silvia muss wieder arbeiten und der Trimaran ‚Aquila' bleibt in Valencia und muss im Frühjahr wieder nach England geschippert werden. Wir haben eine herzliche Einladung nach London, es war schon immer Hartmuts Traum einmal durch die Tower Bridge zu fahren.

Mittlerweile gehört es zu meiner leichtesten Übung – unsere Engländer haben mich eingewiesen – mit Google maps  den nächsten Lidl oder Dekathlon zu finden. Lidl hat Sauerteigbrot (UND UNGESALZENE CASHEWNÜSSE!) und ist günstig, die Lebensmittelpreise  und Hafengebühren waren in Frankreich hoch und wir hofften auf ein preiswerteres Spanien - aber hier ist nur der Espresso in der Bar billiger. Bei Dekathlon haben wir uns mit warmen Pullovern und Jacken eingedeckt, wir hatten nicht mit der Kälte gerechnet, wir wähnten uns um die Jahreszeit ja schon in wärmeren Gefilden. Und irgendwann kaufe ich mir auch eine zweite lange Hose. Ist aber auch praktisch, man braucht morgens nicht zu überlegen, was man denn anziehen soll.


Nach dem Einkauf bei Dekathlon

Unser nächstes Ziel, Alicante, erreichten wir in einer weiteren Nachtfahrt. Die Nacht war sternenklar und nicht so kalt wie beim letzten Mal. Wir haben die Wachen in  3.15 Stunden eingeteilt, damit man wirklich 3 Stunden Ausruhzeit hat und die 15 Minuten nutzen kann zum Anziehen, Toilettengang etc. Am unangenehmsten sind manchmal die vielen Lichter, die man nicht zuordnen und vor allem die Distanz nicht abschätzen kann. Der ganze  Landstrich Spaniens ist voller unterschiedlich farbiger Lichter.  Schon eine Stunde vorher sah ich rechts von mir oberhalb vieler weißer Lichter ein blinkendes Rotlicht und hielt es für die befeuerte Einfahrttonne einer vorgelagerten Insel. Sie blieb auch immer an der gleichen Stelle – tja, so verhalten sich auch Lichter eines Bootes auf Kollisionskurs – und plötzlich, wie aus dem Nichts, tauchten von rechts die Konturen eines Fischerbootes auf, das Deck hell erleuchtet mit rotem Navigationslicht auf meiner Seite. Durch den Wellengang sind das immer blinkende Lichter, tückisch. Schnell sprang ich auf, schaltete den Autopilot aus und konnte gerade noch ausweichen. Dieses Boot hatte Vorfahrt und beharrte  mit Volldampf auf sein Vorfahrtsrecht. Der Schreck war gelungen und ich behielt die nächsten weißen Lichter rechts von mir im Auge. Gegen 4.00 Uhr starten die Fischerboote und voraus sah ich einige unseren Weg kreuzen. Aber aufpassen musste ich auf die, die von rechts kommen. Plötzlich bewegten sich die nächsten weißen Lichter mit einem roten Toplicht auf mich zu! Ich bekam wieder einen Schreck und versuchte auszuweichen. Bis ich merkte, das das rote Licht das Positionslicht eines startenden Flugzeugs war! Oh je, wie peinlich, ich musste dann doch kichern. Und die weißen Lichter waren die Positionslichter eines ankernden Tankers, der, wie sich später herausstellte noch 10 Meilen entfernt war. Das passierte alles innerhalb einer Viertelstunde, so viel dazu wie schwierig  es ist, die Distanz zu Licht abzuschätzen.


Unser Plotter – wichtigstes Stück

Die Küste südlich von Valencia ist nicht schön, an Benidorm sind wir zum Glück im Dunkeln vorbei gefahren. Wir können froh sein derzeit nur die Winterpreise  in den Häfen zahlen zu müssen, in Valencia zahlten wir nur 17 Euro pro Nacht und waren entsetzt in Alicante 81 Euro für zwei Nächte zahlen zu müssen. Da bleibt das Geld für einen Kaffee im  Hafen oder einen Museumsbesuch im Portemonnaie stecken. 

Aber die Besichtigung der schönen Burg, auf die ich hochstiefeln konnte, war kostenlos und das Museum des Volvo Ocean Race auch. In diesem Jahr sind sie hier in Alicante gestartet, wir konnten durch die Scheiben auf die Bildschirme der Rennleitung schauen. In einem Simulator mit  beängstigenden Sturmaufnahmen konnten wir spüren, wie hart die Schlage sind, die die Segler rund um die Uhr aushalten müssen – Wahnsinn!

Es wird dunkel, ruhig, viel ruhiger als gestern und vorgestern. Kein Wunder – der Sonntagabend ist Vorbereitung auf eine arbeitsreichen Woche in Betrieben, Ämtern, Schulen und so. Für uns heißt es, Vorbereitung auf einen langen Törntag - Aufstehen um drei, los um vier. Ich rechne immer mit einem Schnitt von vier Knoten, wenn wir einen Kurs achterlicher als hart am Wind haben. Mit Motor werden so zwischen fünf und sechs, unter Segeln meist zwischen drei und fünf Knoten erreicht. Heute wäre viel mehr drin gewesen: ein raumer Nordostwind, aber mit Böen bis neun Bft. Das ist dann wohl doch etwas viel.
Wir wollen zum Mare Minor, einem Binnenmeer, 10 km lang, 5 km breit, aber Salzwasser.. Gut abgeschirmt gegen die Wellen des Mittelmeers, die vom andauernden Mistral ganz schön angeschwollen sind – ein Gebiet, ideal zum Ankern und für die Einstellversuche an unserer Windsteueranlage. Die werden wir bald brauchen, wenn es an die langen Schläge im Atlantik geht.
So – ab ins Bett!

Es hat sich bewährt, die Etappen länger zu stecken um dann zwei bis drei Tage am nächsten Ort verbringen zu können. Aber komisch, um 3.00 Uhr aufzustehen und loszufahren empfand ich anstrengender als in die Nacht hinein zu fahren mit festen Wachen und Schlafenszeiten. Die Fahrt war nicht schön, eine schaukelige Welle, mal von hinten, mal von der Seite, ohne Wind und Segel das einem das Schiff stabilisiert. Und die Küste hatte 150 km geschlossene graue und beige Hochhausbebauung zu bieten – einfach nur schrecklich! 

Meile um Meile das gleiche Bild am Ufer – Wohnsilos, Ferienparks (oft Immobilienpleiten) – Tristesse in Beton…

-mit Variationen

Ich hatte mich auf das Ankern in schöner Natur auf dem Mare Menor gefreut. Wir mussten durch eine bewegliche Brücke, die alle zwei Stunden öffnete. Wir waren eine Stunde zu früh, es gab keinen Wartesteg und rechts von uns türmten sich die Betonbauten. Wir hatten keine Lust hier eine Stunde vor dieser Kulisse zu dümpeln – also doch kein Ankern – stattdessen düsten wir weitere 25 Meilen nach Cartagena. 

Cartagena- schon die Einfahrt in diese Naturbucht törnte mich an. Es war wie ein Ankommen zu Hause – komisch – ich begriff nicht, warum. Aber diese Stadt machte uns von Anfang an richtig „an“. Kein Touriort – wohl mangels Strand – geschichtsträchtig an allen Ecken, bemüht sich wieder aufzurichten (war im spanischen Bürgerkrieg sehr zerstört), spürbar lebendig. Diese Stadt wurde für mich der bisherige Höhepunkt unserer Tour, was das Gefallen betrifft. Toll. 3200 Jahre Geschichte finden sich unter jeder Baustelle.
Und hier ist es schön – keine vorgelagerten Betonwüsten, die Altstadt und viele römische Ausgrabungen beginnen am Hafen, hier ist Leben. Wir trafen endlich andere Langzeitsegler, Engländer, Schweden, Dänen, die hier überwintern und wurden am Abend eingeladen gemeinsam in den Bars Tapas zu essen. Das war mal richtig nett und hat uns gut getan. Sie meinten wir seien aber mutig bei dieser Kälte weiter zu fahren.


Ein riesiges Bohrschiff leuchtete schon von weitem wie ein Weihnachtsbaum
Eine Altstadt wie eine Filmkulisse



Beeindruckende Kunstwerke (Leidender, 4m hoch)
Der Ficus  in groß
Amphitheater


Seit Valencia haben wir Kontakt zu dem Skipper eines russischen Schiffs, Elizabeth, ein 13m langes Stahlschiff. Slava spricht gebrochenes Englisch und hat uns, als wir ihn zum Kaffee einluden, eine handbetriebene  Fanfare geschenkt, eigentlich für ein Fußballspiel aber auch glänzend als Nebelhorn geeignet. Er fährt ungefähr die gleiche Route wie wir und hat uns schon einige Tipps zu günstigen kanarischen Häfen gegeben. Er fährt mit unterschiedlichen Crews, die mit ihm für ‚Hand gegen Koje' mitfahren.

Elizabeth
Wir wollen gerne Weihnachten auf den Kanaren verbringen, also geht es am 2. Dezember wieder in einer Nachtfahrt weiter Richtung Almeria.

In meinen Nachtwachen ist immer eine Menge los. Ich habe mich vorher bei Tage sehr intensiv mit den Auslesen der AIS  (Automatisches Identifikationssystem)-Daten unseres Funkgeräts vertraut gemacht und das immer wieder geübt.
Alle Schiffe ab 20 m sind mit diesem System ausgerüstet und verbessern die Sicherheit.
Die Daten zeigen einem in welcher Richtung sich von deinem Schiff aus das Schiff befindet, welchen Kurs  dieses Schiff fährt und mit welcher Geschwindigkeit.  Es sind sogar genaue Minutenangaben wann die Wege sich kreuzen. Desweiteren erhält man Name, Landesflagge, Länge und Art des Schiffes.
Im Cockpit haben wir ein kleines Funkgerät mit kleinem Bildschirm auf dem man die Schiffe als kleines Dreieck gezeigt bekommt. 
Aber alles hat seine Tücken. Wir senden kein AIS-Signal (das Gerät war uns zu teuer), sondern können es nur empfangen. Das heißt aber leider. dass wir die anderen sehen, die uns aber nicht. Die Zeiten, in denen man sagen konnte, die sehen uns ja auf dem Radarschirm, sind vorbei, da man eher auf das AIS schaut. Also müssen wir doppelt aufpassen.

Wir hatten endlich  mal guten Wind und konnten die ganze Zeit segeln. Das Dreifarbenlicht leuchtet nur oben auf der Mastspitze und ist bei Wellengang nicht so gut zu sehen.Wir Segler haben Vorfahrt und man hat grundsätzlich Kurshaltepflicht. Wenn nachts zwischen vier und fünf Uhr die ganzen Fischerboote rausfahren, dann wird es aufregend. Immer wenn laut AIS Kollisionsgefahr besteht, das Dreieck blinkt dann auf dem Bildschirm, warte ich erst mal ab:" Werden wir gesehen?" Ändert der andere immer noch nicht seinen Kurs, dann leuchte ich mit einer starken Lampe in die Segel: "Huhu, wir sind Segler!", dann wird man von den Fischerbooten gesehen und sie ändern den Kurs.

Anders verhält es sich mit den riesigen Pötten. Denen muss man ausweichen, die fahren einfach. Ich sah fast eine Stunde lang weit auf dem Meer links von mir helle weiße Lichter. Ich suchte auf dem Plotter nach einer Bohrinsel, da war keine verzeichnet. Laut AIS gab es auf 24 Meilen kein Signal, komisch. Ich hatte das Gefühl die Lichter kommen näher, ich suchte ständig im Funkgerät durch Veränderung des Meilenradius ob nicht doch von links ein Schiff kommt - und wieder mal, relativ spät ergaben sich die Konturen eines riesigen Kreuzschiffs und ich konnte ausweichen. Von diesem Schiff haben wir kein Signal empfangen, das war unheimlich, weil man erst sehr spät sieht in welche Richtung es fährt.
Puuh,das war der erste Schrecken. Wenn man Häfen passiert sieht man die vielen ankernden oder an der Pier liegenden Schiffe im Display. Schneller Check, kein Problem, die fahren nicht. Plötzlich erscheint rechts querab ein blinkendes Dreieck. "Wie das, ich denke die liegen im Hafen?". Ich sehe, dass ein Schiff mit 3 Knoten losfährt, upps, ein ziemlich großes, 200 m lang. Ich schaue in Richtung Land aus der das Schiff kommen soll und sehe einfach nur viele hundert unterschiedliche Lichter. Die Lichterkonstallation eines Schiffes kann ich einfach nicht erkennen! In welche Richtung soll ich jetzt fahren? Ich schaue auf das Display, Mist,immer noch brettert er auf uns zu, mittlerweile mit 10 Knoten,Treffpunkt in 8 Minuten. Da werde ich nervös. Ich rufe das Schiff auf Kanal 16 an: Cypria, Cypria, Cypria, this is sailship Pipoca, Pipoca, Pipoca." Keine Reaktion. Schnell schaue ich ins Display. Oh, Cypria ist das Land Zypern, der Schiffsname ist MS Dom. Schnell den Funkspruch wiederholt, endlich kam die erlösende Reaktion:" Pipoca, this is MS Dom please change to chanel chchch6". Welcher Kanal? Ich meine Kanal 26 verstanden zu haben, versuche anzurufen. Keine Reaktion. Wieder mit fliegenden Fingern auf Kanal 16 umgestellt: "MS Dom, this is Pipoca,please repeat the chanel."Chanel 06". Nach diesem ganzen Procedere kann ich mein Anliegen endlich vorbringen, er sei auf Kollisionskurs, ob er uns denn sehe. Als Antwort kam dann:" Oh,now I see you. I change the cours to port (Backbord). Erst als der riesige Pott hinter uns vorbei fuhr konnte ich ihn erkennen. Mannomann, das war knapp. Aber ich war erleichtert, dass ich diese Stresssituation gemeistert habe.Hartmut meinte noch, warum ich ihn nicht geweckt habe, aber dazu blieb einfach keine Zeit.

                                                  Dieses Schiff liegt vor Anker
Über Almerimar gelangten wir nach Port Estepona, eine fürchterliche, in den achtziger Jahren entstandene Retortenstadt mit riesigen überdachten Tomatenfeldern, die von weitem wie Schneefelder aussehen.

Unten Tomatenfelder – oben Schnee auf den Bergen der Sierra Nevada
Am nächsten Tag segelten wir mit halbem Wind und strahlendem Sonnenschein und es erschien am Horizont der gigantische Felsen von Gibraltar.


Es gibt sogar eine Moschee auf Gibraltar

Der Hafen Ocean Village liegt direkt neben der Flughafenlandebahn und die Straße führt über das Rollfeld. Das ist, glaube ich, einmalig.



Am ersten Abend bestaunen wir die illuminierten, weihnachtlich geschmückten Schiffe und das Nachtleben auf Ocean Village mit einem schwimmenden Hotel und auf Holzstegen gebaute Restaurants.

Ocean Village



Weihnachten an Bord




Weihnachten in  der Main Street


Der Upper Rock mit den Höhlen und Affen und das steuerfreie Einkaufen in der Main Street lockt täglich hunderte von Touristen an. Hier ist immer etwas los. Ich schickte Hartmut erst Mal zum Friseur, hier kann er sich mit englisch verständlich machen. Ich fand, er hat´s nötig.


Doch der junge Friseur packte den Rasierer aus und ehe Harmut sich versah, hatte er schon die erste Bahn gezogen. Er kam ganz unglücklich und mit frierendem Kopf zurück.


Am Tag unserer Besichtigung war die Gondel wegen zu starken Windes gesperrt und wir buchten eine Taxifahrt. Die Tropfsteinhöhle St. Michel Cave wurde früher als Krankenhaus genutzt, heutzutage finden dort Konzerte statt, leider nicht im Winter, die Leute würden bei Regen in der Höhle nass werden.


Die Engländer lieben es nicht nur bei den Weihnachtsbäumen bunt




Gibraltar ist nur 6 qkm groß, die Bebauung ist eng und hoch. Als Fahrradfahrer lebt man hier gefährlich, die Straßen sind eng, es wird schnell und rücksichtslos gefahren. Da sind die Autofahrer in Spanien wesentlich zuvorkommender, hätte ich vorher auch nicht gedacht.

Im Hintergrund die Landebahn und La Linea, Spanien

Ende des 18.  Jahrhunderts wurde Gibraltar 3 Jahre und 8 Monate belagert, doch die Engländer hielten Stand. Riesige Gänge und Höhlen wurden geschlagen, Kanonen stationiert.




Das lustigste sind natürlich die Berberaffen, die gehegt werden, da eine Legende besagt, dass Gibraltar solange in englischer Hand bleibt solange dort die Affen leben. Die Tiere sollen eigentlich nicht gefüttert werden, doch viele halten sich nicht daran, so springen die Tiere einem auch auf den Rücken. Ich hatte auch in kurzer Zeit einen auf meinem Rucksack sitzen, fand das zunächst lustig, bis einer meinte: „Vorsicht, er macht die Reißverschlüsse auf!“ Zum Glück hatte er nur einen Teil meiner Jacke rausgezogen.










Im kleinen Café an den Höhlen, kam plötzlich ein Affe durch das Lokal gelaufen, öffnete die Tür der Kühltheke und stibitzte sich zwei Schokoriegel. Die Angestellten finden das gar nicht mehr lustig, wir Touristen finden das natürlich putzig. 
Ich  war schon drei Mal auf dem Berg, ich habe ja Spaß zu laufen. Beim dritten Mal, ich kannte mich ja schon aus,  setzte ich mich noch relativ weit unten mit herrlichem Ausblick auf ein Mäuerchen und mümmelte mein Brot, als sich von hinten ein Affe anschlich und meine Brotdose stahl. Ich hatte hier unten noch gar nicht mit Affen gerechnet! Ich schimpfte, das hat ihn aber nur verscheucht. Also ließ ich ihn gewähren. Er bekam den  Verschluss ohne weiteres auf und futterte mein Käsebaguette. Ich hoffte auf meine  Brotdose, doch er ließ sie zur falschen Seite fallen. Zu steil zum Klettern, schade, meine schöne Tupperdose!  



Das ließ mir in der Nacht keine Ruhe. Am nächsten Tag bin ich noch einmal hochgestiefelt, ausgerüstet mit Kletterseil und Casher, der bisher zum Angeln noch nicht zum Einsatz gekommen ist. Die Dose lag noch da und ich  habe mit dem Casher versucht sie zu angeln. Mist, mir fehlten 5 cm. Ich bat einen netten Motorradfahrer mit längeren Armen um Hilfe. Siehe da, er hat's geschafft und ich darf meine Segelhasenbutterbrotdose behalten! Wenn der Casher schon keine Fische angelt, dann wenigstens Tupperdosen!




Für den Montag, den 11. Dezember war ein starker Sturm angesagt, der Böen von 55 Knoten ansagte. Da der Schwell uns im englischen Hafen zu stark war, wechselten wir in den spanischen Hafen von La Linea. Man merkt, dass dieser Ort von dem Rummel in Gibraltar keinen Vorteil hat, der Ort wirkt etwas heruntergekommen. Der Hafen ist dafür neu und günstig und er hat WIFI, das erste Mal seit Wochen, dass wir an Bord mal  wieder Internet haben und wir können endlich unseren Blog hochladen.




Auch in Spanien sind die Straßen weihnachtlich geschmückt


Der Sturm kam und er war heftig! Ein Stegnachbar, zwei Deutsche, Rainer und Mikel mit einer 39 Fuß-Amel, die auch zu den Kanaren fahren, haben den Windmesser fotografiert, 10 Minuten lang peitschte  der Wind mit 60 Knoten durch den Hafen mit Böen von 80-90 Knoten, das sind 145 Stundenkilometer, Hurrikanstärke. Es war Weltuntergangsstimmung, einigen Schiffen hat es Segel und Sprayhoud zerfetzt. 






Bei uns ist zum Glück alles heil geblieben, auch die Kuchenbude, eine Art Vorzelt, die das Cockpit abdeckt. Nur wurde uns wieder die Undichtigkeit unserer Fenster bewusst, es hat ja seit Wochen nicht mehr geregnet. Aber große Joghurtbecher an der richtigen Stelle aufgehängt, haben das Schiff einigermaßen trocken gehalten.



Seit Beginn unserer Reise haben wir das Problem, dass unser Windgenerator nicht genug Strom lädt. Der Charge Controler muss hochmodern mit einer Bluetooth Schaltstelle programmiert werden. Man konnte sich aber nur mit der Seriennummer einloggen, diese steht aber weder auf der Rechnung noch auf dem Garantieschein, sondern auf der Rückseite des installierten Geräts. Irgendwann haben wir von Silentwind eine APP erhalten, die die Seriennummer ausliest. Rainer von der Amel  hat das gleiche Gerät und hatte die gleichen Probleme. Er hat uns geholfen und dadurch sind wir darauf gekommen das der Controler defekt ist und die übertragenen Daten nicht speichert. Nach mehreren genervten Telefonaten mit dem Hersteller, haben wir jetzt erreichen können, dass wir unser Gerät ausbauen, nach Portugal schicken und ein neues erhalten. Der Charger soll direkt im Werk mit unseren Daten programmiert werden, damit wir nicht schon wieder von vorne anfangen.


Wenn unsere Energiebilanz stimmt, eine funktionierende Bilgenpumpe an Bord ist, die Fenster vielleicht etwas dichter sind und unsere Selbststeueranlage funktioniert, werden wir weiter zu den Kanaren fahren. Von Rainer und Mikel mussten wir uns verabschieden, gerne wären wir mit ihnen gefahren. 



Dies ist nun der Abschnitt, der uns unsere Grenzen aufzeigte! Wir sind einige Wochen der Zeit hinterher – welcher Zeit? Aber dazu später mehr. Ich hadere immer wieder mit mir – habe ich die Vorbereitungen zu ungenügend durchgeführt? Habe ich zu viele Arbeiten vor mir hergeschoben – und werde von meinen Sünden verfolgt? Wir werden die Probleme nicht los – sehen uns an vielen Punkten gebremst und verstehen beide nicht, was uns unsere Schicksalsschläge denn nun aufzeigen wollen. Strafe, Bewährung, Aufgaben – es kommt immer wieder das Gefühl auf, das etwas falsch läuft. Die Gelassenheit wird auf eine übergroße Probe gestellt.
Ich schreibe das hier für mich selbst – will mich erinnern können, wenn sich dieser Zustand einmal auflösen würde.
Wir sind in Gibraltar, einem wichtigen Etappenziel. Und unser größtes Problem liegt auf meinem Schoß – der Regler für unsere Energieversorgung. Er wurde von unserem portugiesischen Lieferanten als defekt erklärt – wir haben ihm zurückgeschickt und 3 Tage später jetzt ein neues, eingestelltes Gerät geliefert bekommen. Morgen ist der Tag des Einbaus. Wenn der funktioniert, haben wir einen wichtigen Sprung in unsere Unabhängigkeit gemacht und können wohl endlich der Küste für mehrere Tage „auf Wiedersehen“ sagen. Aber ich bin vorsichtig – will die Montage mit telefonischer Absprache durchführen – kein Risiko mehr eingehen. Ich hoffe, ein neuer Start steht uns bevor. Und es bleibt immer noch so viel zu tun!
Der Frust darüber holt uns manchmal ein, in der Vorweihnachtszeit fehlt die Familie. Am meisten genieße ich die Sonne, die hier jeden Tag scheint und alles strahlen lässt.

Zwei Tage später: Die Welt ist enorm wandelbar. Ich habe den Regler eingebaut und mit ein paar kleinen Problemen zum Laufen gebracht – es funktioniert. Was für ein Gefühl – die Welt steht uns wieder offen! Für die Bilgepumpe bekam ich Ersatzteile und eine Firma im Hafen hat den Kolben ausgedreht – ich kann ihn wieder einbauen. Ein Fenster ist gemacht – schade es muss regnen, damit ich sehe , ob es so funktioniert und dicht ist – und es regnet nicht! Meine Entwicklung für die Windsteueranlage wird eingestellt. Da ist noch Übung nötig. Mit Depressionen muss ich halt manchmal leben – ist vielleicht auch dem Alter geschuldet . Aber ich habe eine tolle Frau, die das alles mitträgt. Gut so!!!


Ostseite des Felsens von Gibraltar
Es kann gut sein, dass wir Weihnachten in Gibraltar verbringen. Eine Einladung zum Christstollen essen haben wir schon von dem amerikanischen Kapitän eines Alaskafischers und seiner deutschen Frau Jenny bekommen. 
Und im Januar kommt der zweite Hartmut für ein paar Wochen mit. Wir wollen zusammen Afrika erobern (was man als Touri halt so darunter versteht). Kanarien - wir kommen!

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